Ein wenig Stille(n).

Tatsächlich geht man davon aus, dass das Wort „Stillen“ etwas mit „Stille“ bzw. „zum Schweigen bringen“ zu tun hat. Für mich gehören diese beiden Bedeutungen wirklich zusammen. Ich erfahre das Stillen durch mein zweites Kind zum ersten Mal und es ist eine völlig neue Erfahrung für mich.

Vor dem Vorhang ist Trubel. Ein Mädchen brüllt ihrer Mama im Gang zu: „Mamaa, ich brauche das in S, M ist definitiv viel zu groß!“ Ich höre die Mutter schnaufend davon traben. Derweil verzweifelt das Mädchen weiterhin hinter dem Vorhang in der Kabine neben mir. 
Ja, ich bin in einer Umkleidekabine, mit Marlene. Um mich herum ist einiges los. Gewusel, Gestreite, Hektik. Währenddessen sitze ich in meiner Kabine und habe das Gefühl, dass jemand für eine kurze Weile die Zeit angehalten hat. Wie in diesen Filmen, wo man selbst umgeben ist von Menschen, die sich in Zeitlupe bewegen. Ich stille meine Tochter. Dadurch bin ich gewissermaßen gezwungen, eine Pause einzulegen & zu entschleunigen. Sie ist zufrieden und trinkt, ganz in Ruhe. Ich schaue ihr dabei zu und nehme die Geräusche draußen vor dem Vorhang nur sehr dumpf wahr. Ich bin ruhig & zufrieden.

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Still-BH von Anita | Haarband von Glüxwurm

So und das muss man erstmal schaffen! Was schaffen, fragt ihr euch? Na den persönlichen Yoga-Moment, das eigene „Om“ in Mitten eines überfüllten Einkaufszentrums. Ich würde sagen, das ist eigentlich unmöglich. Aber nur eigentlich.

Stillen ist das natürlichste der Welt, so heißt es. So werden Neugeborene und Kinder seit dem es die Menschheit gibt ernährt. Es ist ursprünglich, es ist normal. Aus diesem Grund hatte ich mich in beiden Schwangerschaft sofort dazu entschieden, auch zu Stillen. Ich wollte diese Erfahrung und die Nähe zu meinem Kind.
Umso trauriger finde ich es, dass Stillen teilweise nicht akzeptiert oder sogar toleriert wird. Zuletzt geschehen in einem Restaurant, in dem wir waren.
Wir trafen uns mit Bekannten zum Essen, es war ziemlich überfüllt an diesem Tag. Ich gehe offen mit dem Stillen um, verstecke mich dafür nicht in einem einsamen Raum, trotzdem schlage ich mich nicht darum, jedem meine Brust offen zu präsentieren. So freizügig bin ich irgendwie nicht. Um die neuen Bekannten, die ich selbst noch nicht so gut kannte, nicht gleich zu verschrecken, bin ich zu den Toilettenräumen gegangen und habe gehofft, dort eine ruhige Ecke zum Stillen zu finden. Es war ohnehin sehr laut im Restaurant und etwas Stille tat uns beiden gut. Leider ging mein Plan nicht ganz auf und so endete ich mit Marlene auf einem kleinen Hocker vor den Toiletten. Es war kalt hier und ich hätte locker als Toilettendame durchgehen können.
Naja, was soll’s, dachte ich mir und drehte mich mit dem Gesicht zur Wand, so dass die vorbeilaufenden Menschen nur meinen Rücken sahen.
In der Zeit, in der ich stillte, liefen viele an uns vorbei. Einige lächelten kurz, andere schauten beschämt weg, nachdem sie erkannten, was ich dort tat. Wenige, und darüber war ich so unglaublich wütend und enttäuscht, gingen an uns vorbei, starrten und ließen einen Kommentar fallen wie: „Muss das sein?!“ oder schüttelten den Kopf. Kurz fing ich an, mich zu schämen, doch schnell wurde mir bewusst: Wieso sollte ich mich nun schämen? Ich tue hier doch nichts Verwerfliches? Ich stille doch nur.
Ich stellte mir die Frage, wie man nur so empört darüber sein konnte? Ich wurde wütend, richtete mein Rückrat auf und stillte weiter. Die spinnen ja wohl, dachte ich mir nur.

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Trotzdem beschäftigt mich diese Situation immer noch ab und zu. Dieses Unverständnis. Es kam überwiegend von älteren Damen. Zu ihre Zeit war es vermutlich nicht üblich, dass man so öffentlich stillte. Ja gut, akzeptiert. Aber die Zeiten haben sich geändert und dafür muss man eine Frau wie mich doch nicht so „bekopfschütteln“, als würde ich etwas provozierendes, schockierendes oder inakzeptables tun.
Zu diesem Zeitpunkt war Marlene noch nicht alt, ich also noch ein Still-Neuling und eh im Umgang etwas unsicher. Das alles muss sich ja erstmal einspielen und mit der Zeit wurde ich natürlich auch sicherer. Ich bin froh, dass es es viele Frauen gibt, die mit Stolz, Selbstbewusstsein und eine gewissen Selbstverständlichkeit ihre Kinder stillen, so sollte es sein und nicht anders. Keine braucht sich dafür zu schämen, dass sie ihr Kind ernährt. Und Keine sollte sich dabei verstecken.

Nun denke ich häufig über die Zeit mit meinem ersten Kind nach. Matti konnte nicht gestillt werden, er war zu schwach. Ich pumpte ausschließlich und es war ein unglaublicher Zeitaufwand und erforderte einiges an Organisation im Alltag. Heute, mit zwei Kindern, wäre das vermutlich undenkbar. Deswegen bin ich so dankbar, dass es von Anfang an bei Marlene so gut geklappt hat. Sie wurde mir gleich nach dem Kaiserschnitt angelegt und ich weiß noch, wie freudig überrascht ich zu Oli sagte: „Schau mal, sie trinkt einfach!“ Ich war hin und weg, wie unkompliziert das war… und ist.

Bis heute denke ich mir immer wieder, wie einfach es doch ist. Kein Abpumpen, kein Milch einfrieren und wieder auftauen oder wahlweise Milchpulver kaufen, keine Fläschchen auskochen, keine Thermoskanne für unterwegs… Wenn ich mit Marlene losziehe, habe ich lediglich eine frische Windel im Gepäck.
Darüber hinaus ist ein Aspekt für mich der aber wichtigste: Die Nähe zu meinem Kind. Ich genieße diese kleine Auszeit für uns beide, vor allem, wenn jemand da ist, der sich parallel um Marlenes großen Bruder kümmert oder er sich alleine beschäftigt. Dann haben wir kurz eine kleine Pause im Alltag, etwas Ruhe, etwas Stille.

So und nun kommen wir zum diplomatischen Teil dieses Textes. Natürlich ist die Versorgung des eigenen Kindes jedem selbst überlassen. Manche Mütter haben nicht genug Milch oder starke Schmerzen, andere entscheiden sich von Anfang an dafür, nicht zu stillen. Alles ist in Ordnung, alles wird vollkommen akzeptiert. Von mir jedenfalls! Ich kenne beide Seiten, bei Matti hatten wir auch alles einmal durch, inklusive Milchpulver und Thermoskanne. Solange Mutter und Kind sich wohl fühlen, ist doch jeder Weg ein guter. 

Um das Stillen etwas angenehmer zu machen und damit frau sich trotzdem weiblich fühlt, hat Anita Still-BHs entworfen, die nicht nur guten Halt geben, sondern dabei auch noch schön aussehen. Einen davon seht ihr auch auf den Fotos. Es gibt ja zum Glück mittlerweile nicht nur schöne Still-BHs, sondern auch eine große Auswahl an Stillmode, die es besonders einfach macht, besonders auch in der Öffentlichkeit zu stillen, ohne, dass es groß auffällt. Schaut einfach mal bei H&M, ASOS oder Zalando vorbei.

Habt’s fein,

eure Annika

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Mom's Life

2 Comments

Wie schön, dass es diesmal so toll funktioniert. Es ist wirklich so wunderbar und unfassbar praktisch zu stillen. Ich habe eigentlich nie komische Blicke bekommen und schon von Anfang an einfach überall gestillt. Erst jetzt, wo meine Tochter fast eins ist, ernte ich doch den ein oder anderen skeptischen Blick. Aber was soll‘s. 😉

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