Little skunk’s birth. Eine Geburtsgeschichte.

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Es war ein herrlich sonniger Morgen, die Vögel zwitscherten und die Bienen summten… MÖÖÖÖÖP! Als ob. Alle, die bereits eine Geburt hinter sich oder bald eine vor sich haben, wissen, in der Regel ist es keine Guten-Morgen-ohne-Sorgen-Geschichte, wenn man ins Detail geht. So war es auch bei mir, aber fangen wir vorne an.

Im Juni 2015 erfuhren mein Mann und ich, dass wir Eltern werden. Wir waren ziemlich von den Socken und haben uns unglaublich gefreut. Dazu muss man wohl sagen, zu diesem Zeitpunkt waren wir noch nicht verheiratet, sondern noch jung und verliebt, hach wie schön das war… Spaß beiseite, das sind wir auch heute und zwar noch viel mehr als damals. 

Ich ging gleich zu meiner Frauenärztin, wo nach etwas verstrichener Zeit auch endlich ein sieben Millimeter großer Krümel festgestellt wurde. Fortan hieß er auch nur noch „Krümel“. Die Zeit verging und in der 11. Woche ging ich erneut zur Kontrolle, da ich ein wenig Schmerzen hatte. Während der Ultraschalluntersuchung war die Ärztin sehr still und konzentriert. Ich sah unseren kleinen Krümel, er sah schon wie ein Baby aus, nur etwas war komisch, das fiel auch mir mit ungeschultem Auge auf: Dort war eine große Beule auf seinem Bauch. Kurz danach erklärte mir die Gynäkologin, was los war. Unser Kleiner hatte einen Bauchwanddefekt, einen Nabelschnurbruch um es genau zu sagen. In der Entwicklung ist es ganz normal, dass beim Embryo der Bauch mit seinen Organen anfangs offen ist und sich bis ca. zur 12. Woche schließt. Bei unserem Krümel hatte er das leider nicht getan und so lagen Leber und ein Teil des Darms außerhalb seines Bauches, sie waren in die Nabelschnur gerutscht. Seltsame Vorstellung, ich weiß. Als wir das erfuhren brach erstmal eine Welt zusammen, wir wussten gar nicht, was wir damit anfangen sollten. Ich dachte nur: Das kann mein Kind doch nicht überleben? Was genau passiert jetzt? Geht es ihm gut? Fragen über Fragen. Wir wurden zum Glück umgehend zu einem Spezialisten nach Düsseldorf überwiesen, um hier Details klären zu können. Dort wurde in der 15. Woche dann festgestellt, dass unser Kleiner zwar den offenen Bauch hat, er jedoch sonst sehr unauffällig und gesund aussieht und sich sehr gut entwickelt. Außerdem erfuhren wir, dass unser Krümel ein Krümel wird und keine Krümeline. Wir hätten uns über beides gefreut, waren aber total happy, endlich zu wissen, was es wird. Auch dass er Matti heißen soll, war uns schnell klar.

Nach der Diagnose Nabelschnurbruch war ich gefühlt wöchentlich beim Arzt. Frauenärztin, Spezialist und Krankenhaus im Wechsel. Irgendwie war es ja toll, dass ich den Kleinen so oft zu Gesicht bekam, trotzdem hätte ich natürlich auf wöchentliches Matti bestaunen verzichtet und lieber ein ganz gesundes Baby zur Welt gebracht. Wir erfuhren, dass Matti nur per Kaiserschnitt geholt werden kann, da brach für mich erstmal eine Welt zusammen. Ich wollte so gerne eine natürliche Geburt mit allem drum und dran. Aber ich hatte keine Wahl. Wir lernten das Team der Spezialklinik in Düsseldorf kennen, die Chirurgen, die Kinderärzte, die Kinderintensivstation, denn Matti musste gleich nach der Geburt operiert werden. Der Bauch soll geschlossen werden, er wird in ein künstliches Koma gelegt und seine ersten Lebenswochen verschlafen, bis es ihm besser geht. Danach soll er ein ganz gesunder Junge werden – Aufatmen! Ich könnte jedoch erstmal nicht stillen, muss abpumpen und wir müssen wochen- oder monatelang täglich zur Klinik fahren. All das nahmen wir auf, schluckten es, akzeptierten es. Wir wollten einfach nur, dass es unserem kleinen Jungen bald gut geht. Hofften natürlich, dass er nicht zu lange dort liegen musste, dass er keine Schmerzen hat.

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Eines war besonders hart: Sich von all dem verabschieden, was die Geburt ausmacht. Kein Geburtsvorbereitungskurs, kein Geburtsplan und keine Kliniktasche mit den ersten warmen Babysachen für den Weg nach Hause. Keine Wiege musste neben dem Bett aufgestellt werden und keine Babyschale musste im Auto parat stehen, das machte mich sehr traurig. Dazu kamen die Sorgen um meinen kleinen Krümel. Jedoch war der Krümel mittlerweile gar kein Krümel mehr und entwickelte sich sonst wirklich vorbildlich. Wir bekamen recht früh ein festes Datum, an dem er geholt werden sollte, an dem alle Chirurgen, Kinderärzte und Gynäkologen vor Ort sein würden, es war der 11. Januar 2016. Es wurde alles geplant, ich wurde vollständig aufgeklärt und dachte nach den Gesprächen, ich werde definitiv bei dem Eingriff draufgehen, ganz klar! Es war ’ne Katastrophe, aber ich wusste natürlich auch, eine Geburt ist kein Zuckerschlecken, egal, wo der Kleine rauskommen würde. So fand ich mich mit der Situation mehr oder weniger ab und harrte der Dinge, die da kommen sollte.

Der 11. Januar 2016 war ein Montag. Das Wochenende davor war der Horror. Natürlich ist es nicht schön, bei einer normalen Geburt nicht zu wissen, wann es losgeht und wann die Wehen einsetzen oder die Fruchtblase platzt. Genauso wenig schön ist es aber auch, genau zu wissen, wann es passiert. Schön und schrecklich zugleich. Wir freuten uns so sehr auf unser kleines Wunder, unseren Krümel, der trotz seiner Diagnose so tapfer durchgehalten hatte und so ein Kämpfer war. Auf der anderen Seite hasse ich Krankenhäuser, Spritzen, OPs, Blut und all den Kram. Achja und dazu kam die feste Gewissheit, ich würde dabei eh draufgehen. Also nahm ich am 10. Januar abends meine Henkersmahlzeit ein und schlief die Nacht – oh Wunder – gar nicht! Um 06.30 Uhr am nächsten Morgen fuhren wir in die Klinik, um 08.00 Uhr ging’s los.

Ich war völlig am Ende, total aufgeregt und ging zehnmal zum Klo, weil ich dachte, mit Spinalanästhesie (ähnlich wie eine PDA) merke ich ja sicherlich nicht, ob ich aufs Klo muss. Diese Scham wollte ich mir und den Ärzten im OP ersparen. Und dann fiel mir wieder ein: Scheiße, ich bekomme ja auch einen Katheter, alle Sorgen um sonst. Naja so viel zum Detail. Dann ging es los mit Spritzen, Zugängen, dem OP-Saal, vielen Ärzten, einem tauben Gefühl abwärts des Bauches, einem Kreislaufzusammenbruch, kreislaufpushenden Medikamenten, viel Gerüttel und Gedrücke und der festen Überzeugung, an mir wird gerade ein Exorzismus verübt. Dann kam er, der erlösende Schrei unseres kleinen Wunders, von Matti. Er klang sehr sehr klein, aber auch sehr sehr fidel. Es war Wahnsinn, nie hatte ich etwas Schöneres gehört, denn anfangs sagte man uns, er könne möglicherweise nicht alleine atmen und somit auch nicht schreien. Mein Mann saß an meinem Kopf und war selber erstaunlich still, die ganze Zeit über. Sonst ist er ein Quatschkopf schlechthin, doch in so einer einzigartigen Situation verschlug es auch ihm die Sprache. Als wir Matti hörten, fingen wir beide an zu weinen, es war pures Glück, mehr gab es in diesem Moment nicht.

Leider durften wir ihn nicht sehen, er musste gleich versorgt werden. Zwanzig Minuten lang wurde ich anschließend zugenäht und dann in einen Aufwachraum geschoben. Die Schmerzmittel taten (noch) ihr übriges, doch bald bemerkte ich, dass eine quer aufgeschnittene Bauchdecke einem ganz schön die Nerven rauben kann. Nach einigem Warten hörten wir ein Gefährt anrollen. Es war ein offenes Wärmebett mit vielen Monitoren dabei und noch mehr Schwestern und Ärzten. Unser Kleiner lag darin eingehüllt in einem gelben Handtuch, ich durfte ihn kurz an seiner Wange berühren, dann fuhren sie weg mit ihm. Er sollte bald operiert werden. Mein Mann und ich kamen auf unser Familienzimmer und dann war erstmal Ruhe, sehr viel Ruhe.

Dies war Teil 1 meiner Geburtsgeschichte. Teil 2 wird folgen und ich verspreche euch, es gibt ein Happy End.

Bis dahin, Schüssi, eure Annikaimage

English

It was a gorgeous sunny morning, the birds were chirping and bees buzzing … MÖÖÖÖÖP! As if. All of you who have already given birth or soon are going to, know, in general, this is no „good morning without worries story“ when you go into detail. So it was with me, but let’s start at the beginning.

In June 2015 my husband and I found out that we are becoming parents. We were pretty blown away and pleased incredible. Have to say, at this time we were not married yet, we were young and in love, that was beautiful… Just kidding, we still are today and it is much more intense than at any time before.

I went straightly to my gynecologist where after some time finally a seven-millimeter little crumb was found. Henceforth, he was just called „crumb“. Time passed and in the 11th week of pregnancy I went again to check because I had a little pain. During the scan, the doctor was very quiet and concentrated. I saw our little crumb, he already looked like a baby but something was weird, even I could see it: There was a large bump on his stomach. The gynecologist told me what was going on. Our little one had an abdominal wall defect, an omphalocele to be exact. In the development, it is quite normal that the belly with its organs is initially open but it closes up to the 12th week. It didn’t happen with our crumb and so he had liver and part of the intestines outside his abdomen, those organs had slipped into the umbilical cord. Strange idea, I know. When we heard it, it all came crashing down about our ears, we didn’t know what we should do with this information. Will our child survive? What exactly happens now? Is he alright? Questions, questions. We were referred to a specialist in Dusseldorf in order to clarify details. In the 15th week we found out, that our little one does have the open abdomen, but he otherwise was very unremarkable and healthy and performed very well. In addition, we learned that our crumb is a crumb and no crumbine. We would have been pleased about both, but were so happy to finally know what it is. Also that he shall be called Matti was clear to us then.

After we got the diagnosis of omphalocele I have weekly visits at the doctors. Gynecologist, specialist and hospital alternates. Somehow it was great that I repeatedly could see our little one, but I would of course rather pass this and have a healthy baby instead. We learned that Matti can only come by Caesarean section, that was hard for me. The natural birth I wanted so much but I had no choice. We met the team of the Special Hospital in Dusseldorf, the surgeons, pediatricians and the pediatric intensive care unit because Matti needed surgery immediately after birth. The abdomen has to be closed, Matti will be placed in an induced coma and slept for his first weeks of life until he gets better. Then he will be a very healthy boy they say – we breath a sigh of relief! I could not breastfeed, I have to pump and we have to drive to the clinic for weeks or months daily. We tried to accept all the information. We just wanted that our little boy will be better soon and were hoping, of course, that he did not have to stay there too long and that he has no pain.

Very hard as well was to say goodbye to all what constitutes the birth. No prenatal classes, no birth plan and no hospital bag with the first warm baby clothes for the trip home. No cradle had to be placed next to our bed, and no baby seat had to be ready in the car, all that made me very sad. In addition there were these concerns about our little crumb.

Actually the crumb was no longer a little crumb and really developed well. Quite early we got a fixed date to make it happen, it was January 11, 2016. I was fully elucidated and after all these conversations I thought I’ll definitely fall apart in the Caesarean section! It was a disaster, but of course I also knew a birth is no picnic, no matter which way. So I made the best of a bad bargain.

January 11, 2016 was a Monday. The weekend before was a nightmare. Of course it is also not nice, in a normal birth not to know when the labor starts or the waters break. But nor nice it is to know exactly when it happens. Beautiful and terrible at the same time. We were so much looking forward to see our little miracle, our crumb, who had persevered so brave despite his diagnosis and who was such a fighter. On the other hand I hate hospitals, injections, surgeries, blood and all that stuff. Oh, and as I said that was clear anyway: I will apart! So on 10 January in the evening I took my last meal and didn’t slept the night – what a wonder! At 06.30 a.m. in the next morning we drove to the hospital, at 08.00 it started.

I was so excited and went to the bathroom ten times, because I thought with spinal anesthesia (similar to a PDA) I wouldn’t realize if I have to go to the bathroom. This shame I wanted to spare me and the doctors in the operating room. And then I remembered: Shit, I get to have some catheters, not even better! Then it started with syringes, the operating room, many doctors, a deaf feeling down the abdomen, a circulatory collapse, circulatory push forming drugs, much shaking and the firm belief they are perpetrate an exorcism on me. And then there it was, the redemptive cry of our little miracle, Matti. He sounded very very small, but also very very jolly. It was pure madness, I’ve never heard anything more beautiful than this, because at first they told us that he possibly could not breathe alone and therefore also not scream. My husband sat behind my head and was himself amazingly quiet all the time. Otherwise he is a windbag par, but in such a unique situation he was also speechless. When we heard Matti, we both started crying, it was pure luck, there was nothing left at that moment.

Unfortunately we were not allowed to see him, they had to attend him immediately. For twenty minutes then I was sewn up and pushed into a recovery room. The painkillers first had a nice effect but soon I noticed that a cross-cut abdomen can be very painful. After some waiting we heard a vehicle roll over. It was an open heat bed with many monitors added and even more nurses and doctors. Our little crumb was wrapped in a yellow towel, I was able to briefly touch him on his cheek, then they drove away with him. He would soon be operated. My husband and I got into our family room and then there was a first rest, a long rest.

This was part 1 of my birth story. Part 2 will follow and I promise you, there is a happy ending.

So then, byee

Yours Annika

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